Impressionen
VERGISSMEINNICHT !?

Wesensgemäß leben in der Landwirtschaft!
Herbsttagung 2017 der Auszubildenden der Freien Ausbildung (Demeter)



Wie lassen sich landwirtschaftliche Arbeit und menschliche, individuelle Bedürfnisse miteinander vereinbaren? Wie kann das Wesen des Menschen in seinen vielen Facetten im Hofleben und Arbeitsalltag seinen Platz finden? Und noch persönlicher gefragt: Was brauche ich? Was macht mich froh? Wie möchte ich arbeiten? Wie leben?
Diese Fragen standen im Zentrum des Mottotextes der diesjährigen Herbsttagung der Freien Ausbildung. Jedes Jahr bereiten die Lehrlinge des dritten Jahrgangs aus den Regionen Ost, Nord und West diese Veranstaltung vor und organisieren dabei alles von der Finanzierung über Programmgestaltung und Verpflegung bis hin zu Technikbedarf und Deko. Vom 2. bis 5.11.2017 kamen nach monatelanger Vorbereitung schließlich 300 Gäste in der Freien Waldorfschule in Kleinmachnow bei Berlin zusammen und bearbeiteten das anspruchsvolle Motto „Vergiss Mein nicht“ auf vielfältige Weise.

Die Orientierung im Alltag behalten
Vivian Dittmar, eine beseelte und intelligente Rednerin eröffnete für uns die Tagung und erinnerte an unsere Emotionen und Bedürfnisse, die, nur wenn sie wahrgenommen werden, zu authentischen Impulsen führen. Emotionen, Bedürfnisse und Impulse werden so zu einem inneren Navi – ohne sie sind wir orientierungslos. Wenn wir unsere Wege authentisch und kraftvoll beschreiten wollen, brauchen wir hingegen klare Orientierung, außen wie innen. Eine gute Verbindung nach innen, zum Ich wird unablässig. In all dem Alltagsstress auf den Höfen, der nicht enden wollenden Arbeit und den eigenen hohen Idealen an unser Tun verlieren wir diesen guten Ich-Fokus jedoch schnell und oft...

Auch Reiko Wöllert inspirierte uns mit seinen Worten. Als Ehemann und vierfacher Vater, Käser, Landwirt, Betriebsleiter, Ausbilder, Politiker in der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft erzählte er uns, wie er all die Schauplätze seines Lebens unter einen Hut bekommt ohne dabei auszubrennen: Handy aus – das, was man tut, bewusst tun – Kraft aus dem schöpfen, was man liebt – Regenerationszeiten achten. Eine simple aber überzeugende Rezeptur, wie wir finden. Das Gespräch mit ihm streifte auch immer wieder das Thema Entwurmungskuren für Ziegen und brachte uns oft laut zum Lachen.
Den Rahmen der gemeinsamen Tage bildeten zum einen die traditionellen Fortbildungskurse, in denen externe Dozenten ihr Wissen weitergaben. Tanz, Pflanzengeister, Bodenbiologie und Gemeinschaftsstrukturen auf Höfen sind hierbei nur einige Beispiele für Kursthemen.Zum anderen gab es den Open Space – den Offenen Raum. Hier waren vor allem all die aktuellen, ehemaligen und zukünftigen Lehrlinge, die angereist waren, die Experten. Sie erzählten von ihrem selbst programmierten digitalen Gärtner-Tagebuch, lehrten selbstverteidigung oder freies Zeichnen. Jeder konnte aktiv werden.



Jakob Ganten, verantwortlich für die Sparte Ausbildung in der Bäuerlichen Gesellschaft e.V., war ebenfalls auf der Tagung zu Gast und bot im Open Space eine offene Diskussion zur Zukunft der Freien Ausbildung an. Circa 1.500 Euro kostet die Ausbildung pro Lehrling und pro Jahr. Aktuell ist das nicht flächendeckend zu stemmen. Es fehlt an Unterstützung auf struktureller Ebene. In der Region NRW/Hessen muss sogar das kommende erste Lehrjahr abgesagt werden. Es geht hier um die Zukunft der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. Es braucht neue Ideen, Geld und viel nützliche Vernetzung.

Von Kreisen und der eigenen Mitte
Das gefühlte Zentrum dieser Herbsttagung wurde allerdings „Der Kreis“. Es gab keine Bühne, keine frontale Moderation an einen bestuhlten Raum. Stattdessen gab es einen großen Kreis, in dem sich alle trafen. Wir saßen auf dem Boden. Und dreimal lag in der Mitte dieses Kreises ein selbst gefilzter Schafwollteppich. Er war gelb, mit Zwiebelschalen gefärbt und „sehr flauschig“, wie viele Menschen erstaunt bekundeten. Hier konnten die Teilnehmer einzeln Platz nehmen, in die Mitte der Gruppe und ein bisschen auch in ihre eigene Mitte treten, sich der Masse zeigen, öffnen, etwas wagen. Von Wünschen, Grenzen und notwendigen Veränderungen sprechen. Es wurde ein intensiver Raum der Begegnung.
Es waren magische Tage, denn die Begegnungen mit sich selbst und in der Gruppe waren besonders. Und das Wetter klang mit ein: Nach grauen und nasskalten Vorbereitungstagen kam die Sonne mit den ersten anreisenden Gästen heraus und wich bis zum Ende nicht mehr von unserer Seite. Minuten nach dem gemeinsamen Abschiedsfoto zog es sich wieder zu und der Regen kehrte zurück.

Wir sagen Danke.

Klaudia Schümann, 3. Lehrjahr Ost, Guidohof/Sachsen


Bericht Ausbilder/innentag am 30.03.2017 auf dem Birkenhof in Wilnsdorf

Der Initiativkreis der Freien Ausbildung NRW/Hessen hatte die Ausbilder/innen am Donnerstag dem 30. März 2017 auf dem Birkenhof in Wilnsdorf zum jährlichen Ausbildertag eingeladen. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Wodurch bilde ich aus“. Gerne wollte man sich an diesem Tag der Funktion als Ausbilder widmen und mehr in die Tiefe gehen. Man wollte darüber sprechen, welche Ansätze die Ausbilder anwenden, um Lerninhalte praxisorientiert zu vermitteln und welche weiteren Möglichkeiten Ihnen dafür noch zur Verfügung stehen. Ein weiterer Fokus sollte auf die Freie Ausbildung im Allgemeinen gelegt werden, insbesondere über die weitere Organisation sollte sich ausgetauscht werden.





Begrüßt wurden alle draußen bei Sonnenschein mit Kaffee und Kuchen, um sich für den Tag zu stärken. Daraufhin versammelten sich alle unter der Moderation von Brigitte Szezinski, die 12 Jahre in der Demeter Geschäftsstelle in Bayern gearbeitet hatte und nun professionelles Coaching anbietet. Zu Beginn wurde ein Fragespiel durchgeführt, damit sich alle Beteiligten etwas besser kennen lernen konnten. Gefragt wurde z.B. Wer Ausbilder ist oder wer morgens schon gefrühstückt hatte.

Nachdem dadurch eine aufgelockerte Stimmung herrschte, wurden alle Anwesenden in 5 Kleingruppen eingeteilt, in denen sie sich darüber austauschen sollten, wie motiviert ihre Lehrlinge sind und wie sie ihre Lehrlinge motivieren. Anschließend wurden die Ergebnisse im Kollektiv vorgestellt, welche sehr positiv ausfielen. In der Regel sind die Lehrlinge hochmotiviert, wissbegierig und eine Bereicherung für den Hof.





Als sich die Gruppen untereinander ausgetauscht hatten, stellte Brigitte Szezinski einige Aussagen der Marktforschung über Lehrlinge im Allgemeinen vor. In der Marktforschung existiert eine Studie in der Lehrlinge in verschiedene Generationen eingeteilt worden sind: 1. Die Babyboomergeneration, die lebt um zu arbeiten und zwischen 1955 und 1969 geboren ist, 2. Die Generation X, die arbeitet um zu leben und zwischen 1965 und 1980 geboren ist, 3. Die Generation Y, die versucht arbeiten und leben zu verbinden und zwischen 1980 und 2000 geboren ist und 4. Die Generation Z, die nun erst erforscht wird, aber sich höchstwahrscheinlich leicht ablenken lässt, komplett mit technischen Medien aufgewachsen ist, somit auch als Generation You-Tube bezeichnet wird, und zwischen 1995-2010 geboren sind. Die statistischen Häufungen wurden von den Anwesenden als sehr plakativ empfunden, jedoch in ihrer Pauschalisierung durchaus als korrekt betrachtet.

Nachdem die Studie ausreichend diskutiert worden ist, besprach man die Ergebnisse der Frage „Was motiviert?“. Daraufhin kamen viele anregende Ideen ans Licht, die den Einen oder Anderen sicherlich inspiriert haben. Bevor die Gesprächsleiterin die Teilnehmer in die Mittagspause entließ, wurde noch eine kurze Teamübung in 2er Gruppen absolviert.





Nach dem ereignisreichen Vormittag wurde erstmal die Sonne mit einem leckeren Stück Pizza und einem Salat genossen.
Nach der Pause stellten sich alle mit Namen vor und von welchem Betrieb sie gekommen sind, um jeden Anwesenden besser zuordnen zu können. Danach fand man sich wieder in seiner Kleingruppe zusammen, in denen noch einige Teamübungen vollzogen wurden, bevor man sich der Organisation der Freien Ausbildung widmete. Eine dieser Teamübungen war z.b. die Expertenrunde, welche sehr gut bei den Teilnehmern angekommen ist. Jede Kleingruppe überlegte sich zuerst ein Problem. Dies wurde innerhalb der Kleingruppen von einer Person detailliert beschrieben. Die anderen Gruppenmitglieder schreiben Ideen, die Ihnen einfielen um das Problem zu lösen auf ein Blatt Papier und stellten ihre Vorschläge vor. So sind viele interessante Maßnahmen zur Problemlösung hervorgekommen, auf die man höchstwahrscheinlich alleine nie gekommen wäre.

Die Diskussionsrunde und gemeinsame Entscheidungsfindung zu einigen Themen im Ausbildungsvertrag wurde von Kai Himstedt eingeleitet. Leider konnten nicht alle gewünschten Punkte besprochen werden, da die Zeit sehr schnell verflogen ist. Dennoch war die
Diskussionsrunde ein voller Erfolg, in der jeder seine Meinung kundtun konnte und man einige gute Ergebnisse erzielt hat. Abschließend begab man sich noch einmal nach draußen mit Kaffee und Kuchen und nutzte die letzten Sonnenstrahlen, um den Tag gemeinsam ausklingen zu lassen. Ein großes Dankeschön geht an Jakob Köhler, Tom Mühlbauer und Fabian Stenner, aus dem Initiativkreis, die sich um die komplette Organisation des diesjährigen Ausbilder/innentag gekümmert haben. Auch dem Birkenhof ist man sehr dankbar für die gute Verköstigung und ein Lob an Brigitte Szezinksi, die eine sehr gute Moderatorin abgegeben hat.

Vanessa Besendahl, Praktikantin Demeter NRW


Ein paar Worte zum Abschluss in Witten

Auch dieses Jahr können wir auf eine gelungene Jahresfeier der Freien Ausbildung zurückblicken. Wenn auch die Planung im Vorfeld etwas holprig und mit einigen Ungereimtheiten von statten ging, so konnte die Feier diese Trübung schnell wieder vergessen lassen.



Zu Beginn wurde das neue erste Lehrjahr mit seinen beiden Seminarleiter willkommen geheißen. Für die “Neuen” bot sich ein schöner Einblick in die Vielseitigkeit der Freien Ausbildung.

Die einzelnen Vorträge der Jahresarbeiten zeigten in ihrer individuellen Gestaltung, die ganz persönliche Auseinandersetzung der Lehrlinge mit der Ausbildung und der Bio-dynamischen Wirtschaftsweise. Die verschiedenen Themen stießen bei den Zuhörern auf Interesse und luden, jedes auf seine Art, zum Gespräch ein.



Eingerahmt wurden die Vorträge durch kreative Einlagen des 2. und 3. Lehrjahres, die das Programm sehr bereicherten.
Für beste Verpflegung sorgte, wie auch schon in den letzten Jahren das Institut für Waldorfpädagogik.
Das sonnige Wetter tat seines dazu, sodass gemütlich draußen gegessen werden konnte.
Zwischen den einzelnen Programmblöcken war ausreichend Zeit, ins Gespräch zu kommen, alte Bekannte zu begrüßen oder sich die ausgestellten Arbeiten anzusehen. Es entstand eine entspannte Atmosphäre, der auch spontane Änderungen im Programm keinen Abbruch taten.



Zum Ende der Veranstaltung wurden die Lehrlinge und ihre Seminarleiterinnen durch Vertreter des Initiativkreises verabschiedet. In ihrem Abschiedslied deuteten die Lehrlinge auf humorvolle Art noch einmal darauf hin, dass diese acht Absolventen nicht alle waren, die das Lehrjahr geprägt und mitgestaltet haben. Viele, die die Freie Ausbildung vor vier Jahren mit begonnen hatten, sind durch die gemeinsame Zeit auf andere Wege geleitet worden. Für sie war die Ausbildung ebenso lehrreich und wegbereitend, auch wenn sie sie nicht mit dem Abschluss beendet haben.



An dieser Stelle soll der Freien Ausbildung mit dem Initiativkreis als Träger ein Dank ausgesprochen sein, dass diese individuellen Entwicklungswege im Rahmen der Ausbildung möglich sind.

Marion Leigsnering, Absolventin der Freien Ausbildung NRW & Hessen 2017


Pressemitteilung zur Oktobertagung 2016

„Wir sind die, auf die wir gewartet haben – wie werden unsere Visionen wirksam?“ Rund 300 Demeter Landwirtschafts- und Gärtnerei-Lehrlinge diskutieren in Gera die Zukunft der Landwirtschaft

Ein weltumspannendes Netzwerk von regionalen und lokalen Kleinbetrieben, in dem Produkte undFertigkeiten ausgetauscht werden – das war eine der Zukunftsvisionen für eine lebendige Landwirtschaft, die Demeter-Auszubildende aus Schleswig-Holstein, Thüringen, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Hessen vergangene Woche in Gera entwickelt haben. Unter dem Motto „Visionen schlagen Wellen“ haben sich vom 19. bis zum 23. Oktober rund 300 Landwirtschafts-
und Gärtnerei-Lehrlinge der Freien-Demeter-Ausbildung in der Freien Waldorfschule Gera zu ihrer Jahrestagung 2016 getroffen, um gemeinsam Impulse für einen Wandel in der Landwirtschaft zu entwickeln. „Unsere Träume müssen den Arsch hochkriegen“, brachte eine Teilnehmerin das Motto der Tagung unmissverständlich auf den Punkt.

Wie wollen wir künftig in der Landwirtschaft arbeiten? Wie wollen wir auf den Höfen leben? Wie stellen wir uns eine lebendige biologisch-dynamische Landwirtschaft vor? Zu diesen Fragen entwickelten die Auszubildenden eine Reihe von Ansätzen. Zu den eher gesamtgesellschaftlichen Visionen zählten etwa: Landwirtschaft als fester Bestandteil des Bildungsplans in Schulen, generell mehr Wertschätzung in der Gesellschaft für körperliche Arbeit sowie eine gelebte Fehlerkultur, in der Scheitern nicht nur erlaubt, sondern als elementar für lebenslanges Lernen begriffen wird.

Traditionsgemäß wird die jährliche Zusammenkunft aller Demeter-Auszubildenden aus dem Norden, Osten und der Mitte Deutschlands gemeinschaftlich von den Auszubildenden des jeweils dritten Lehrjahrs selbst organisiert. Die Freie-Demeter-Ausbildung dauert vier Jahre. Ziel der Jahrestagung ist es, die junge biologisch-dynamische Bewegung zu vernetzen und Austausch und gemeinsames Lernen in zahlreichen Workshops zu ermöglichen. Die Dozenten kamen aus ganz Deutschland angereist.

Zum Abschluss der Tagung wurden die Visionen für eine Landwirtschaft 2025 in einer Podiumsdiskussion erörtert und vertieft. Teilnehmer der Diskussion waren Dr.Tobias Hartkemeyer (Handlungspädagoge und Gründer vom CSA Hof Pente) Klaus Strüber (Berater für Solidarische
Landwirtschaft und Spezialist für Pferdearbeit) und Severin von Hoensbroech (Diplom. Psych., Schauspieler und Demeter Landwirt in Köln auf Schloss Türnich. Sie Diskutierten gemeinsam mit dem Moderator Dan Felix Müller und dem Publikum. Wie kriegen wir unser Thema auf die Straße?

Dr. Tobias Hartkemeyer ist überzeugt, dass dies nur über Bildung funktioniert. Hierzu entwickelt er auf seinem eigenen Hof einen Ort der Begegnung und des Austauschs, an dem Kinder ohne Grenzen sinnvoll lernen und beobachten können. Eine sinnentleertes Schulsystem, in dem alles vorbestimmt und reglementiert ist, könne schwerlich mündige Bürger hervorbringen, die ihr eigenes Tun hinterfragen und einen anderen Umgang mit unserer Umwelt pflegen.

„Wir sind die, auf die wir gewartet haben – wie werden unsere Visionen wirksam?“ – Wesentliche Aussagen aus der Podiums-Diskussion zum Abschluss der Tagung


„Du bekommst die Menschen nicht über das Problem. Du musst sie begeistern!“ – Wir wollen Lust auf gute Landwirtschaft erzeugen statt schlechte Gewissen. Menschen haben ein großes Bedürfnis nach Sinn! Über die Herzen können wir sie gewinnen. (Severin von Hoensbroech)
Lasst uns lernen, den Mehrwert transparent zu machen, der durch biologisch-dynamische Landwirtschaft geschaffen wird (z.B. Humus-Auf- statt Abbau, Klimaschutz, Landschaftsgestaltung, Bildungsraum etc.).(Severin von Hoensbroech)

Kapital ist viel mehr als Geld! Lasst uns lernen, richtig zu rechnen. (Aus dem Publikum)

Um die Welt zu verändern brauchen wir eine Revolution der Begrifflichkeiten! Lasst uns Arbeit, Wirtschaft, Geld, Kapital, Spiel und Freizeit neu denken! (Klaus Strüber)

Wirkliche Schule braucht Menschen, Tiere, Pflanzen, Boden und Maschinen. Lasst uns die Höfe zu Erlebnis-, Bildungs- und Begegnungsräumen machen! Die Handlungspädagogik bietet konkrete
Anknüpfungspunkte. (Tobias Hartkemeyer)

Demeter-Landwirtschaft ist echte Kulturarbeit! Lasst uns auf den Höfen nicht nur arbeiten, sondern auch singen, tanzen und Menschen begegnen (Aus dem Publikum)

„Mach das Problem zur Lösung“ – Probleme (z.B. Arbeitsbedingungen, Planetary Boundaries) verstehen, aber auf Lösungen und Schritte zur Umsetzung fokussieren (Severin von Hoensbroech)

Wir haben und brauchen gute Leute an wichtigen Stellen, z.B. auch in Brüssel bei der EU. Eine nützliche politische Forderung könnte es sein, Subventionen pro Kopf statt pro Hektar vorzuschlagen (Tobias Hartkemeyer)

Soziale Dreigliederung, Waldorf-Pädagogik und Demeter sind etwa 100 Jahre alte Bewegungen aus der Anthroposophie – lasst sie uns stärker zusammenbringen – auch mit Ideen und Bewegungen wie Solidarische Landwirtschaft, den Regionalwert-AGs, der Gemeinwohlökonomie
und anderen. (Severin von Hoensbroech)

Traut euch, eure eigene Form der Landwirtschaft in die Welt zu bringen. Fangt jetzt die Betriebe an, die ihr wirklich wollt – tretet mit Mut ins Unbekannte! Liebt und respektiert eure Kunden! (Klaus Strüber).

Jochen Groß, 3. Lj. Freie Ausbildung Demeter NRW & Hessen


Freie Ausbildung zum Demeter-Bauern feiert 20 Jahre

Zukunftsweisendes Modell für den Nachwuchs im ökologischen Landbau

Mehr als 150 Lehrlinge haben in den letzten 20 Jahren die Freie Ausbildung zum Biologisch Dynamischen Landwirt/Gärtner in Hessen und Nordrhein-Westfalen abgeschlossen. Dieses Jubiläum konnte nun im passenden Ambiente des Gärtnerhofs Röllingsen stimmungsvoll gefeiert werden. Ute Rönnebeck, Geschäftsführerin von Demeter in Nordrhein Westfalen, blickte dabei auch in die Zukunft und betonte: „Wir haben viel erreicht , es ist aber noch genug zu tun für die nächsten 20 Jahre. Wir werden jetzt vor allem auch die Vernetzung mit anderen Freien Ausbildungsangeboten verstärken. Dr. Alexander Gerber, Vorstandssprecher des Demeter e.V. Deutschland, würdigte vor allem die Initiativkraft der Beteiligten: „Das ist eine der Stärken der Biologisch-Dynamischen Bewegung.“



Als duale Berufsausbildung für junge Erwachsene umfasst die Freie Ausbildung das Erlernen praktischer Fähigkeiten durch die vierjährige Mitarbeit auf biologisch-dynamischen Demeter-Höfen und wird ergänzt durch überbetriebliche Seminare. Ziel ist es, Menschen durch ganzheitliche Bildung darin zu bestärken, mit Mut und persönlichem Einsatz ihre Ideale in der Welt umzusetzen. Insbesondere sollen sie die Fähigkeit erlangen, biologisch-dynamische Höfe zu gründen oder bestehende Betriebe weiterzuentwickeln und erfolgreich in die Zukunft zu führen. Wie gut das gelingt, bestätigten die zahlreichen Absolventen, die inzwischen auf Demeter-Höfen arbeiten, eigene biodynamische Betriebe gegründet oder übernommen haben.



Dr. Constanza Kaliks, die Leiterin der Jugendsektion an der geisteswissenschaftlichen Hochschule am Goetheanum in Dornach in der Schweiz, unterstrich in ihrem Vortrag die Bedeutung des biodynamischen Ausbildungsangebotes für die Bildungslandschaft. Sie berücksichtige wesentliche Aspekte zeitgemäßer Ausbildung: Zugehörigkeit, Menschlichkeit und Verbundenheit mit der Erde. In Grußworten dankte Peter Hettlich, Abteilungsleiter im Landwirtschaftsministerium NRW, für das große, ehrenamtliche Engagement der Betriebsleiter in der Freien Ausbildung. Die finanzielle Unterstützung durch das Land mit Mitteln aus der Weiterbildungsrichtlinie könnten eben nur da wirksam werden, wo Initiative den Weg ebnet. Christian Wucherpfennig von der Fachschule für Ökologischen Landbau in Kleve begleitet die Freie Ausbildung als Dozent von Beginn an und hob die stetige Qualitätsentwicklung hervor, die sich etwa beim Melkerkurs auf Haus Riswick und den überbetrieblichen Fortbildungen auf der DEULA zur Landtechnik zeigten. Unter den rund 150 Gästen waren als Gratulanten zudem Professor Dr. Ulrich Köpke vom Institut für Organischen Landbau der Universität Bonn, der Geschäftsführer von Bioland NRW, Jan Leifert, Kollegen aus den Nachbarausbildungen im Norden, Jakob Ganten und Friedemann Wecker mit seinem Team, Demeter-Bauer Martin von Mackensen von der Landbauschule Dottenfelder Hof in Bad Vilbel sowie Vertreter der DEULA und der Landwirtschaftskammer.



Eckard Jungclaussen vom Birkenhof als einer der Initiatoren und Lisa Schäfer als eine der ersten Auszubildenden im ersten Ausbildungsjahr 1996 ließen beim Rückblick die Biografie der Freien Ausbildung in NRW und Hessen lebendig werden. Auf die zukünftigen Herausforderungen blickten Burkhard Tillmanns, Gärtnerhof Röllingsen, und Lukas Max Plagemann, Auszubildender im 3. Lehrjahr. Sie stellten den Aspekt der Freiheit in den Mittelpunkt und dem gegenüber das Risiko der Bürokratisierung.


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